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Was am 4. Oktober 1992 in der Trabantenstadt Bijlmeer nahe Amsterdam geschah, tönt wie ein furchtbarer Alptraum. Ein mit 85 Tonnen Kerosin beladener Frachtjumbo des Typs Boeing 747 stürzte in zwei Wohnblöcke. In der gigantischen Explosion starben über 50 Menschen.

Schon drei Monate vor dem alptraumhaften Flugzeugabsturz in der niederländischen Trabantenstadt Bijlmeer nahe Amsterdam hatte dasselbe Flugzeug Probleme gehabt. Und derselbe Pilot hat damals Ruhe bewahrt, den Brand in der Boeing 747 gelöscht und den Frachtjumbo sicher notgelandet. Der Kapitän des Fluges 1862 der israelischen Fluggesellschaft EL Al Cargo galt als sehr guter Pilot. Und auch während sich die Katastrophe von Amsterdam anbahnte, verlor der Pilot Jizchak Fuchs die Nerven nicht. Bis kurz vor seinem eigenen Tod sendete er Funksprüche an den Tower des Flughafens Schiphol. "Going down, going down" kommentierte er pflichtbewusst die letzten Sekunden des Absturzes.

Abgebrochenes Triebwerk

Auch der beste Pilot hätte die Frachtboeing aber nicht mehr vor einem Absturz bewahren können. Als die Maschine nämlich kurz nach dem reibungslosen Start vom Flughafen Schiphol ihr rechtes Triebwerk verlor, riss dieses auch gleich das vierte Triebwerk mit und machte den Flieger damit praktisch manövrierunfähig. Um das Flugzeug dennoch in der Luft halten zu können, liess Fuchs die beiden linken Triebwerke auf Vollschub laufen. So konnte sich das Flugzeug aber nur noch um die eigene Achse drehen. Als es dann zum Ausfall zweier Hydraulik-Systeme kam, war die Maschine nicht mehr zu beeinflussen.

85 Tonnen Kerosin und eine gewaltige Explosion

Eine Notlandung wäre allerdings auch zuvor wegen der riesigen Mengen Kerosin an Bord nicht möglich gewesen.

Der Frachter hatte rund 85 Tonnen des hochentzündlichen Flugzeug-Treibstoffes geladen, 5 Tonnen hätten für seinen Flug nach Tel Aviv ausgereicht. Aber da das Kerosin in Amsterdam  besonders billig war, hatte man die Tanks vollgepumpt. Auch sonst hatte die Boeing 747 viel Frachtgut dabei und war schon deswegen schwer zu manövrieren. 

Nachdem Fuchs um 18 35 Uhr seinen letzten Funkspruch an den Tower von Schiphol gesendet hatte, stürtze die Maschine praktisch vertikal mitsamt den vier Besatzungsmitgliedern in zwei Wohnblöcke der Amsterdamer Trabantenstadt Bijlmeer. Es kam zu einer gigantischen Kerosin-Explosion und im über 1000 Grad heissen Feuerball verbrannten gegen 50 Menschen innert Sekunden zu Asche. Obwohl nur von 50 Menschen  Überreste gefunden wurden, geht man in Spekulationen von über 200 Toten aus. Bei derart hohen Temperaturen, wie sie damals in Bijlmeer herrschten, kann menschliches Gewebe komplett verdampfen, so dass nichts mehr zu identifizieren übrig bleibt.

Materialermüdung führt zu Feuerhorror

Untersuchungen des Unglücks ergaben, dass ein Edelstahlbolzen des dritten Triebwerks der Unglücksmaschine wegen Materialermüdung gebrochen war und die Katastrophe ausgelöst hatte. Einen sehr ähnlichen Unfall hatte ca. ein Jahr vor der Feuerhölle von Amsterdam eine chinesische Frachtmaschine erlitten.  Die Japan Airlines hatte als Folge der beiden Unfälle 12 Maschinen des Typus Boeing 747 untersucht und an 5 Triebwerksbolzen Haarrisse festgestellt., Dennoch hält man auch noch eine andere  Variante für möglich. So könnte vor dem Horror-Absturz über Amsterdam auch ein Zugvogel  in das dritte Triebwerk der Maschine geraten sein.

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