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Als im Luftraum über dem deutsche Überlingen ein Frachtflugzeug des Typs Boeing 757 und ein russisches Passagierflugzeug des Typs Bashkirian Tupolew 154 kollidierten, starben 49 Kinder, ganze Familien wurden ausgelöscht. Der mitverantwortliche Fluglotse der Schweizer Flugsicherung Skyguide wurde Jahre später von einem Angehörigen Verstorbener umgebracht. 

Kaum ein Fluzeugunglück hatte wohl so dramatische Auswirkungen wie die Kollision eines englischen Frachtflugzeuges und eines russischen Passagierfliegers über dem deutschen Überlingen nahe am Bodensee.  Als die DHL Boeing  757 am 1. Juli 2002 um 12 35 Uhr mit der russischen Bashkirian Tupolew 154 kollidierte, wurde das Leben von 71 Menschen ausgelöscht. Besonders tragisch daran war, dass sich an Bord der Tupolew 49 Schulkinder befanden, die zur Belohnung - die meisten von ihnen galten als hochbegabt- nach Barcelona in die Ferien gehen durften.

Lotse erkannte Gefahr zu spät

Auch die Umstände, die zu dem Horrorcrash in deutschem Luftraum führten, könnten zum Drehbuch eines schrecklichen Hollywooddramas gehören. Der Lotse des Schweizer Flugsicherers Skyguide arbeitete in der Unglücksnacht alleine und bemerkte die gefährliche Situation über Überlingen zu spät.

Die Boeing war um 23 Uhr im italienischen Bergamo gestartet, die Tupolew um 21 Uhr in Moskau. Beide Piloten galten als erfahren und hatten über 10`000 Flugstunden im Rücken. Der Pilot der Boeing ersuchte den Skyguide-Lotsen kurz vor dem Zusammenstoss darum, das Flugzeug in eine grösser Höhe bringen zu können  Er wollte damit Treibstoff einsparen. Der englische Pilot bekam vom Lotsen die Erlaubnis  dazu und flog nun auf Flugfläche 360. Auf exakt dieser Höhe flog aber auch die sich nähernde Tupolew.  Der diensthabende  dänische Lotse  Peter Nielsen realisierte die  hochgefährliche Situation nicht. Erst als um 23:34:42 die flugzeuginternen Kollisisonwarnsysteme TCAS in beiden Fluzeugen Alarm schlugen und die Unterschreitung des Sicherheitsabstandes meldeten, erkannte auch der Lotse das drohende Unheil.

Fatale widersprüchliche Anweisungen

Er wies nun die Tupolew an, sofort zu sinken. Gleichzeitig errechnete auch das TCAS die Abstände und schlug den Piloten der Tupolew vor zu steigen. Wie die Auswertungen der Blackbox zeigten, wurde im Cockpit kurz über die widersprüchlichen Anweisungen diskutiert, und man entschloss sich dann auf den Fluglotsen zu hören. Eine fatale Entscheidung. Denn auch die Piloten der Boeing hatten aufgrund der Anweisungen des TCAS zu sinken begonnen. So befanden sich nun beide Flieger wieder auf gleicher Flugfläche. Die Meldung, dass auch die Boeing zum Sinkflug übergegangen war, wurde am Boden nicht registriert. 

Obwohl der Pilot der Tupolew 2 Sekunden vor dem verheerenden Aufprall noch versuchte das Flugzeug hochzureissen und die Steuersäule bis zum Anschlag durchzog, konnte er die Kollision nicht mehr verhindern. Die Tupolew schlug um 23:35: 32 rechtwinklig  in das Heck der Boeing. Die beiden Flugzeuge gingen sofort in Flammen auf und  über Überlingen waren explosionartige Geräusche zu hören. Mehrere Zeugen sprachen von einem "Grollen und Dröhnen" am finsteren Nachthimmel und erzählten von brennenden herunterfallenden Teilen.

Fluglotse umgebracht

Der Flugzeugcrash von Überlingen hatte ein langes gerichtliches Nachspiel, in dem  vier leitende Manager von Skyguide zu relativ milden Strafen verurteilt wurden. Auch die weiteren Auswirkungen der Katastrophe am deutschen Nachthimmel klingen wie der Schlussteil eines Hollywood-Films.  Der Russe Vitali Kalojew, der in der verhängnisvollen Nacht des 1. Juli 2002 seine beiden Kinder und seine Ehefrau verloren hatte, erstach am 24. Februar 2004 den  ehemaligen Fluglotsen Peter Nielsen vor dessen Haustür. Der zu 5 Jahren und 3 Monaten verurteilte Mörder sass lange Zeit in Schweizer Haft und wurde im November 2007 frühzeitig freigelassen. Als er in seine Heimat in Nordossetien zurückkehrte, wurde er dort wie ein Held gefeiert.

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