Atropedia Startseite

Editieren

Atomreaktoren des Typus RBMK

RBMK steht für "Reaktor Bolschoj Moschnostij Kanalnij", was soviel bedeutet wie "Reaktor großer Leistung mit Kanälen".

Atomreaktoren des Typus RBMK, wie es der Unfall-Reaktor von Tschernobyl war, wurden ausschliesslich in der ehemaligen Sowjetunion gebaut. Obwohl kurz nach der nuklearen Katastrophe von Tschernobyl eine Abschaltung aller RBMK-Reaktoren diskutiert wurde, kam es nie dazu. Der massive Energieausfall hätte dem Land laut Einschätzung der damaligen Behörden nicht zugemutet werden können.

Bis heute sind RBMK-Reaktoren in Russland in Betrieb. Der Reaktor-Typ gilt wegen der Graphitspitzen seiner Steuerstäbe als besonders kritisch. Die Reaktionen zwischen dem Graphit, einer allenfalls zu hohen Temperatur in der aktiven Zone und den Brennelementen können fatale Folgen haben. Bei einem Reaktor des RBMK-Typs sind zudem im Vergleich mit anderen Reaktoren überdurchschnittlich viele Steuerstäbe nötig um die Kettenreaktion zu verlangsamen. Wenn die Stäbe komplett eingefahren werden, stoppen sie durch die Neutronen-Absorbtion die Kettenreaktion.

Im Unterschied zu den Reaktortypen, die in Westeuropa verwendet werden, ist der RBMK-Reaktor stark überaktiv ausgelegt (positiver "Void-Koeffizient"), das heisst die Kettenreaktion wird beschleunigt, wenn Kühlwasser verloren geht. Westliche Kernkraftwerke haben einen negativen Void-Koeffizienten. Die Kettenreaktion kommt also automatisch zum Erliegen sobald viel Kühlwasser verloren geht.

Der RBMK-Typ gilt seit der Katastrophe von Tschernobyl als gefährlichster Reaktortyp der Welt.

 

Stärken des RBMK:

  • Die geringe Dichte des Reaktorkerns macht den Reaktor widerstandsfähiger gegen Stromausfälle
  • Einzelne Brennstäbe können während des Betriebs ausgetauscht werden, was den Reaktor  sehr wirtschaftlich macht, und es ermöglicht aus dem Abbrand Plutonium für Atomwaffen zu gewinnen.

Schwächen des RBMK:

  • Es gibt keine Betonschutzhülle (Containment), die im Falle eines Unfalls das Austreten radioaktiver Nuklide verhindern könnte.
  • Der Graphit brennt leicht, wenn er mit Luft in Kontakt kommt
  • Die Geschwindigkeit, mit der die Steuerstäbe im Notfall in den Kern eingefahren werden können, ist viel zu niedrig.
  • Die Reaktorkontrollsysteme sind störanfällig.
  • Wegen dem positiven Void-Koeffizienten bei Kühlmittelverlust kann die Kettenreaktion schnell ausser Kontrolle geraten.

Verknüpfte Unfälle