"Es sieht hier aus wie am 11. September in New York," so beschrieb eine entsetzte Augenzeugin die Szenerie rund um die Kölner Severinstrasse. Das historische Gebäude des Kölner Stadtarchivs war am Dienstagmittag , dem 3. März 2009, aus noch ungeklärten Gründen in sich zusammengestürzt.
Dass mitten in einer modernen deutschen Stadt wie Köln ein Gebäude einfach in sich zusammenstürzt, scheint unglaublich. Dennoch geschah am 3. März 2009 genau das. Kurz nach 14 Uhr begann am historischen Gebäude, in dem das Kölner Stadtarchiv beheimatet war, die Fassade zu bröckeln. Umstehende Passanten liefen weg, mehrere Bauarbeiter, die sich in der Nähe befanden, riefen laut: "Alle raus, alle weg." Ihnen sowie der eigenen Geistesgegenwärtigkeit verdanken die Archivmitarbeiter wohl ihr Leben. Sie hatten sich alle noch rechtzeitig in Sicherheit bringen können.
Risse bekannt
Eberhart Illner, langjähriger Abteliungsleiter des Archivs, erzählte auf Deutschlandradio Kultur, dass im Gebäude schon seit langem Senkungsrisse festgestellt und die Beobachtungen auch an die Behörden weitergeleitet worden seien. So reagierten denn die Archivare auch schnell, als es am frühen Dienstagnachmittag im ganzen Gebäude zu rumpeln begann, und verliessen ihren Arbeitsort fluchtartig.
Schwierige Suche nach Vermissten
Da das Haus auf Teile der Severinstrasse und auf eine Bushaltestelle gestürzt war und zudem Teile zweier benachbarter Wohngebäuder eingebrochen waren, musste man davon ausgehen, dass auch Menschen zu Schaden gekommen sind. Lange Zeit wurden zwei Menschen, die ihm teilweise eingestürzten Wohnhaus gelebt hatten, vermisst. Nach ihnen wurde auch mit Hilfe von Hunden gesucht. Da die statische Situation rund um die Einsturzstelle nicht geklärt war und sowohl mit weiteren Einbrüchen als auch mit Bodennachrutschungen zu rechnen war, gestalten sich die Such- und Bergungarbeiten für die Rettungskräfte sehr schwierig. Die Bewohner der umliegenden Gebäude mussten ausserdem vorsorglich ervakuiert werden.
U-Bahn-Bau könnte Schuld sein
Verschiedene Fachleute und Politiker vermuten, dass der Bau des neuen Teils der Kölner U-Bahn für das Unglück verantwortlich sein könnte. Wegen den Grabungen war bereits ein Kirchturm in Schieflage geraten. Illner verlangt, dass nun nach den Verantwortlichen gesucht wird. Auch weil sich im Stadtarchiv über 18 Kilometer wertvollste Akten befanden, darunter zum Beispiel der Nachlass des bekannten Schriftstellers Heinrich Böll. Ob die Dokumente, die jetzt unter Schutt und Beton liegen, gerettet werden können, ist äusserst fraglich.
Weblinks
http://www.youtube.com/... - Berichterstattung des n-tv zum Einsturz
http://www.youtube.com/... - Interview mit Eberhard Illner
http://www.flickr.com/... - Fotos eines Augenzeugen




