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Hergang

Luigi Fasulo startete am 18. Oktober vom Flughafen in Locarno aus eine Reise nach Mailand. Kurz vor dem Abflug soll er einer Enkelin gesagt haben "Ich könnte eine Dummheit begehen". Ausserdem teilte er mit, dass er in Mailand-Linate tanken wolle, da Schweizer dort zollfrei tanken können. Tessiner Kollegen bestätigten, dass Fasulo diese Möglichkeit häufig genutzt habe. Diese Kollegen zweifelten stark an einem Selbstmord. Wie sie glaubt auch Fioravante Sbragi eher an "einen schweren Fehler" des Piloten. Sbragi war hinter Fasulo im Anflug auf Linate und hörte den Funkverkehr zwischen dem Turm und der Aero Commander mit. "Er war in Panik", vermutet Sbragi. Erst habe Fasulo versucht, auf einer gesperrten Piste zu landen. Dann meldete er Probleme mit dem Fahrwerk, erzählt Sbragi. Möglicherweise habe er versucht, das Fahrwerk mit der Hand auszufahren, was bei seinem Flugzeug ganz leicht zu machen gewesen sei - und dabei nicht gesehen, wohin er geflogen sei. Ein Zeitungsbericht mutmasst, dass der Pilot eine Anweisung zum Abdrehen auf sich bezogen habe könnte, die an einen Hubschrauber gerichtet war.

Auf jeden Fall nahm der bis anhin über dem Flughafen kreisende Fasulo plötzlich Kurs auf das Mailänder Zentrum wo er in den Pirelli-Turm flog . Dabei traf er die 26.te Etage des Gebäudes die daraufhin in Flammen stand und grossteils verwüstet wurde  Ausser dem Piloten selber starben bei dem Unglück zwei Sekretärinen die zur Zeit des Unfalles in der besagten Etage gearbeitet hatten und rund 70 weitere Personen wurden verletzt - viele durch herabstürzende Trümmer die nach dem Unfall über die ganze Strasse verteilt waren. Ob Fasulo vor dem Aufprall das Bewusstsein verlor oder einen Herzinfarkt erlitt, sollte eine Autopsie klären. 

Suizid oder tragischer Unfall?

Wie der Unfallhergang nicht genau geklärt ist kann auch nicht genau gesagt werden ob es sich bei dem Unfall tatsächlich um einen solchen handelte oder ob es Selbstmord war.

Die Suizid-These

Der 67-jährige Pilot Luigi Fasulo war ein äusserts erfahrener Pilot. Er flog seit über 30 Jahre und leitete unter Anderem ein Flugtaxi-Unternehmen. Für einen seiner beiden Söhne, Marco Fasulo, ist der Fall klar: "Es war Selbstmord". Ein Freund des Piloten ergänzte die Aussage um einige konkretere Angaben. Luigi Fasulo habe ihm in einem Gespräch gesagt er sei am Ende und "Sie nahmen mir alles, was ich hatte, mehr als eine Million Dollar". Die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtete, Luigi Fasulo könne wegen fehlgeschlagener illegaler Geschäfte in Österreich und Frankreich Suizid begangen haben. Fasulo war seit längerer Zeit von der Polizei verdächtigt worden illegale Geldtransporte zu tätigen und Kunstwerke zu schmuggeln. Bei einem Geldverleihgeschäft soll ihn der Italiener Sergio Landonio um 1.75 Millionen Euro betrogen haben. Fasulo soll zudem kurz vor seinem Abflug mit einem Polizisten der Polizei von Como telefoniert haben. Diesem habe er mitgeteilt, große finanzielle Verluste erlitten zu haben und Opfer von betrügerischen Geldgeschäften geworden zu sein. Die Polizei habe Fasulo daraufhin empfohlen, in jenen Ländern, in denen er geprellt worden sei, Anzeige zu erstatten. Fasulo dürfte über die genauen Hintergründe seiner Geschäfte allerdings nicht informiert gewesen sein, da er sich ja selbst an die Polizei gewandt hatte.

Auch die Tatsache, dass Fasulo den Pirelli-Turm genau in der Mitte getroffen hat lässt Zweifel an einem Unfall aufkommen. So äusserte sich Transportminister Pietro Lunardi auch skeptisch gegenüber der Unfall-Theorie: "Bei der Präzision der Flugrichtung auf das Ziel sind Zweifel an einem puren Zufall berechtigt".

Die Unfall-These

Sowohl die Mailänder Staatsanwaltschaft, Freunde des Opfers, als auch die Frau Fasulos, Filomena, gehen von einem tragischen Unfall aus. Dafür spricht auch der letzte Funkkontakt zwischen dem Piloten und dem Kontrollturm am Mailänder Flughafen Linate. Fasulo meldete beim Anflug technische Probleme mit dem Fahrwerk seiner Maschine des Typs Aero Commander 112 TC, bat aber nicht um Hilfe. Kurze Zeit darauf kam es wahrscheinlich zu einem groben Missverständnis: Fasulo bezog ein Landeverbot auf sich, das der Tower einem Hubschrauber erteilte. Doch anstatt weiter über dem Flughafen zu kreisen, drehte er Richtung Innenstadt ab und steuerte im Tiefflug direkt auf das Pirelli-Hochhaus zu.

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