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Zu den schlimmsten Tunnel-Unglücken in Europa zählt sicher die Feuerhölle vom 24. März 1999 im französisch-italienischen Mont-Blanc-Tunnel. 39 Menschen wurden teilweise  bis zu Asche verbrannt. Die Brandkatastrophe vom Mont-Blanc hatte auch ein langes gerichtliches Nachspiel, bei dem klare Schuldzuweisungen am Schluss ausblieben.

Vermutlich war es eine weggeworfene Zigarette, die am 24. März 1999 eine der verheerendsten und höllischsten Tunnelbrände in Europa ausgelöst hatte. Sie war in den Luftfilter eines Volvo-Lkws gelangt und versetzte dessen Motor in Brand. Nachdem der belgische Fahrer des mit 20 Tonnen Mehl und Margarine beladenen Lasters den Brand bemerkte, hielt er mitten im Tunnel an und verliess seinen Wagen. Ein wohl fataler Fehler. Wäre der Lkw-Fahrer einfach weiter gefahren, so hätte er die brennende Fracht vermutlich aus dem Tunnel schaffen können und 39 Menschen wären jetzt noch am Leben.

Menschen zu Asche verbrannt

Doch so fing die ganze Ladung des Lasters Feuer und die Flammen breiteten sich, angeheizt durch die Tunnellüftung, schnell auf weitere 24 Lastwagen, 9 Personenwagen und ein Motorrad aus. In der Unglücksröhre des Mont-Blanc herrschten bald Temperaturen von über 1300 Grad. Hitze- und Rauchentwicklung waren derart massiv, das die Menschen teils bis zu Asche verbrannten und dass die Feuerwehr erst mehrere Tage nach dem Brand bis zur Unfallstelle vorstossen konnte.

Als der Mont-Blanc-Tunnel, der auf einer Länge von 11,6 Kilometern das französische Chamonix mit der Gemeinde Cormayer im italienschen Aostatal verbindet, im Jahr 1965 eröffnet worden war, war der Bau einer zweiten Röhre vorgesehen gewesen. Doch dieses Vorhaben scheiterte an finanziellen Problemen und den Protesten der Anwohner. Ob eine zweite Röhre den 39 Toten allerdings viel genützt hätte, ist fraglich. DIe meisten von ihnen waren einfach in ihren Autos sitzen geblieben und darin verbrannt oder erstickt. Nur gerade vier hatten sich in in die Schutzräume, die zu Beginn der 90er Jahre gebaut worden waren, begeben. Doch auch dort hatten sie keine Chance. Die Schutzräume waren der apokalyptischen Hitze nicht gewachsen.

Verkettung von Versagen und Schlampereien

Die juristische Aufarbeitung des Infernos vom Mont-Blanc zog sich über 6 Jahre hinweg. Doch im Verlauf des Prozesses wurde niemandem eine eindeutige Schuld zugewiesen, auch nicht dem belgischen Lkw-Fahrer, der selbst von einem anderen Autofahrer aus dem Tunnel gerettet worden war. Der Lastwagenfahrer  war kurz nach dem Unglück als Hauptverantwortlicher verschrien worden. Doch wie meistens bei Unglücken von solchen Ausmassen führte letztendlich eine Verkettung von menschlichem Versagen, nachlässiger Wartung veralteter Sicherheitsanlagen und Verschleierungen durch politische Interessen zur Katastrophe.

Der Mont-Blanc wurde nach dem grausigen Brandunfall für mehrere Jahre geschlossen und erst im März 2002 schrittweise wiedereröffnet. Heute wird der ehemalige Horrortunnel für seine modernen Sicherheits- und Entlüftungsanlagen gelobt. Ausserdem gelten nun unter den Eismassen des Gletschers des Aiguille de Midi eine Tempolimite von 70 km/h und ein Sicherheitsabstand von 150 Metern. Zudem sind 37 hitzebeständige Fluchtkammern in die Röhre eingebaut. Sie sind mit einem durchgehenden Rettungsschacht, der unter dem Tunnel verläuft, verbunden.

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