Atropedia Startseite

Tankwaggon explodiert - Feuerhölle am Bahnhof von Viareggio

Gegen Mitternacht entgleiste beim Bahnhof des toskanischen Städtchens Viareggio ein Zug, der Tankwaggons mit Flüssiggas mit sich geführt hatte. Innert Sekunden verteilte sich das Gas in der Umgebung, explodierte und riss mindestens 22 Menschen in den Tod.

 

"Wir haben die Hölle gesehen," so umschreibt der Lokführer Roberto Fochesa, was er und sein Kollege Andrea D`Alessandro gesehen hatten, nachdem der Zug, den sie gesteuert hatten, entgleist war. Dass die beiden Zugführer keine Schuld am grausigen Unglück im toskanischen Küstenstädtchen Viareggieo trifft, bestätigt unter anderem der Chef der italienischen Bahngesellschaft FS Mauro Moretti.

Schwerste Verbrennungen

Die beiden Männer hatten aber riesiges Glück, dass sie das Flammeninferno überlebt haben. Am 29. Juni 2009 kurz vor Mitternacht steuerten sie den mit 14 Waggons bestückten Güterzug Richtung Abstellgleis, als der erste Wagen bei einem Tempo von rund 90 km/h entgleiste und vier weitere Kesselwagen aus den Schienen warf. Der erste Waggon wurde so schwer beschädigt, dass das Flüssiggas ausfloss und sich in einem Umkreis von 300 Metern auf und in die umliegenden Häuser und Strassen verteilte. Fochesa und D`Alessandro rochen das Gas, sprangen aus der Lokomotive und konnten nur noch zuschauen, wie die Umgebung explodierte.

Die Menschen in den benachbarten Häuser und erdie Menschen auf den nahen Strassen befanden sich nun inmitten einer Hölle von bis zu 30 Meter hohen Flammen. Viele verbrannten bei lebendigem Leib, andere kamen in den Trümmern der mindestens zwei eingestürzten Gebäude um. Bis zum 6. Juli 2009 vermeldete man 22 Tote, zwischen 20 und 30 Verletzte, etwa ein Dutzend davon schwer, und noch bis zu drei Vermisste. Kurz nach dem Unglück war noch von 13 Toten die Rede gewesen, doch waren viele Verletzte so schwer verbrannt, dass man von Beginn an mit weiteren Toten rechnen musste. So starben wenige Tage nach dem Unglück auch zwei Kleinkinder, deren Körperoberfläche bis zu 90 Prozent verbrannt war.

Vermutungen und Vorwürfe

Die schaurige Katastrophe von Viareggio rief auch Verkehrspolitiker und Gewerkschafter auf den Plan. Experten vemuten derzeit, dass der erste Waggon des Unglückszugs wegen Materialermüdung einen Achsenbruch erlitten hatt und deswegen entgleist war. EU-Verkehrsminister Antonio Tajani verlangte, dass man den Bahnverkehr angesichts der Liberalisierung vemehrt kontrollieren solle und besonders die vermieteten Kesselwagen strengeren Auflagen unterziehen müsse. Italienische Gewerksschaftssprecher sprachen derweil von einem vorhersehbaren Desaster. Die Staatsbahnen würden bei der Instandsetzung des Bahnnetzes seit Jahren sparen und sich nur auf die Hochgeschwindigkeit konzentrieren, da hier am meisten Gewinne gemacht werden könnten.

 

Verknüpfte Sicherheits-Infos

Andere interessante Unfälle aus diesem Land

Imola, Italy  IT
San Lorenzo, Italien  IT
Viareggio, Italy  IT
Centro Direzionale, Italy  IT
, Italien  IT